glueh.
Da steht ein Teller auf dem Schreibtisch vor mir, auf dem Teller eine Orange und eine Banane. Und eine Serviette. Ich mag Obst ja wahnsinnig gern, kann mich kaum entscheiden, womit anfangen! Ich entscheide mich für die Serviette.

Die Serviette erscheint mir als am wenigsten stopfend. Sie hätten mir das Obst zuerst geben sollen, dann hätte ich nach Schinkenbrot und Borszcz die süßen Mini-Törtchen ablehnen können, das wäre um einiges gesünder. Die russischen Pralinen und Schokoladenbonbons habe ich ohnehin nicht mehr geschafft, aber dieser Teller, er wurde so liebevoller in das penibel (auf)geräumte Kinderzimmer getragen, vor die bunten WinniePoohStifte gestellt, nur für mich, da kann man sich kaum entscheiden, was mehr schmerzt: Dieses sinnloche Bild des lieblich frischen Obstes mit meinen bauchschmerzen zu vermählen, oder das Essen stehen zu lassen und so möglicherweise undankbar zu erscheinen. Und undankbar bin ich keineswegs, eher zutiefst gerührt von dieser Hingabe, dieser Gastfreundschaft, die auf leidenschaftlichster Nächstenliebe basiert. Diese Menschen haben ihr Herz auf einem rostigen Nagel vor der Haustür hängen, wo es in der untröstlichen Kälte und Armut des Wohnviertels vor sich hinblutet und dennoch stärker liebt, als es eines unserer Deutschen Herzen je nachzuempfinden vermöchte. Es stimmt mich missmutig, diese Gewissheit; ein Deutscher könnte in seinem Geiz nie diese Güte erreichen, diese Wärme, und wären die Plätze im Paradies unter Gottes Liebe begrenzt, so würde Russland auf der Warteliste zweifellos an einer der ersten Stellen stehen.
22.6.06 11:16
 


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