glueh.
Come to me! Play with me! Can’t you see? I’m a sex-machine! Mir bleibt nur zu hoffen, dass sie es als Enthusiasmus über die vielen bunten Leuchtreklamen auffassen, as ich bei der Variation bei der Variation mein zynisches Grinsen nicht mehr länger unterdrücken kann: Come! Sex! Play! Sex! Can’t! Sex! Sex... machine! Ach, die Überleitung haben sie ganz nett hingekriegt, einfach das Fade-in des 3ten Tracks über das Fade-out des 2ten gelegt. Erst denke ich ja, es wäre geplant, dass die beiden Songs das gleiche Tempo und gleiche Tonlage haben, das mit dem invariablen Rhythmus war mir ja schon klar. Im Laufe der Zeit wird mir allerdings bewusst, dass wohl alle Technosongs dasselbe Schicksal der ewigen Monotonie unter ein- und demselben Loop eines einzigen Drum-grooves teilen... als ich schließlich einen erneuten Blick auf das Ziffernblatt werfe, welches mir zublinkt, dass der etwas bizarr lange Song mittlerweile nicht mehr Track 3, sondern track 7 ist, wende ich meinen Blick wieder nach draußen. Rot, blau, gelb, Casione Titnic, Gebäude: Form der Titanic. Die Wellen unter ihr blinken. Als mir Alina offenbart, dass wir gerade ihre Lieblings-CD hören, setze ich mein ambivalent apathisches Grinsen auf, um meine Gedanken etwas anderem zuzuwenden. Diesem Text hier zum Beispiel. Erste Frage, die mir von Fiddy als wichtig eingebleut wurde, was die frage nach meiner Angst unter diesen „besonderen Umständen“. „Besondere Umstände“ klingt schwer nach Schwangerschaft, ein Gedanke, mit dem ich dann doch sclagartig mir sehr unangenehme Empfindungen assoziiere. Er meint natürlich die Attentate, Bomben. Ich höre einen lauten Schrei, es knallt, es fliegen zerfetzte Körper durch die Luft. Die Titanic ist explodiert, die älteren herrn mit Zigarre und Anzug, der den Bierbauch kaschieren und ihre maskulinen Schultern unterstreichen soll, zieren den Himmel. Auch der Moskauer Himmel ist nachts rot. Und unter den fliegenden Spielsüchtigen wählt ein blondes Bunny einen besonders hübschen Bogen durch die Lüfte. Riss im Minirock, 3-wetter-Taft-Frisur ruiniert, eine ihrer Titten ist abgerissen, landet direkt auf unserer Windschutzscheibe. Das Blut fließt hollywoodreif vor uns herunter und verdeckt uns die Sicht auf das Spektakel. Der Scheibenwischer schaufelt sie uns frei, ich blicke wieder auf die unversehrten Neonlichtinstallationen. Das rote Licht der Boutiquen hat sich in dem Regen gespiegelt, der über die Wundschutzscheibe tröpfelt. Schade, ihr Fingernagel war abgebrochen. Prlmutt, Zeigefinger, sehr markant. Nein, nein, die einzige Angst, die mich hier noch in den Wahnsinn treibt (oder in ein apathisches Grinsen), ist die Angst vor noch mehr Essen. Es ist spät, wir schlafen schon alle fast ein, das rettet mich vor einem Anfall hysterisch frenetischen Kreischens. Aber wir halten an, nicht zu Hause, es ist eine Gaststätte. Unterirdisch. Die Moskauer sind Unterirder. Ich zupfe nervös an meinem Ärmel, als sie fragen was ich essen möchte. Ich sage nichts, das laute Gebrülle meines Magens ist schließlich unüberhörbar. „Nein! Niet! Nichts, danke! Niente! Non! Nothing! Spassíba, niet! Nie! No, no! Nada! Gracias, thankyou, spassíba, niet! Nein! Chikusokuso!“ Vielleicht ist es das japanische Gefluche, was sie verwirrt hat, sie fragen jedenfalls wiedr, als hätten sie nicht gehört. (Lügner!!). Ich sehe die Hieroglyphen von Speisekarte.  Sammelsurium kleiner Nichtsda. Die preise. Ich überlege, wofür das “p.” steht. “poln.”? Wohl kaum, wir sind hier in Russland. O...P... (Rubel, Hirn!) Jedenfalls sehen die Preise OK aus, doppelt so viel, wie in Polen, aber 2xPoln heißt immer noch 1/2x€. Ich sage wider des Protests meines armen, kleinen Magens, dass ich eine Suppe essen werde. Das war ein Fehler, denn sie haben schon etwas im Hinterkopf, wollten es mir nur nicht verraten. Salzfisch. Gut, nehm ich den, aber ohne Suppe. Denkste!! Nichts da, ich wiederhole es 10 Mal (mitgezählt!), bis SIE apathisch grinsen, in einem Anflug plötzlicher Religiosität bete ich, erfolgreich gewesen zu sein. Als der Fisch kommt, wird mir gesagt, dass man ihn zu Wodka isst. Wodka! Alkohol! Das ist es! Mein guter, alter, heiß geliebter Placebo-Effekt! Ich werde mit vorstellen, das Wasser (Bonaqua – der olle CocaColaCompany-Beschiss *gg*) sei Wodka. Genug Alkohol und ich späre den Schmerz nicht mehr. Als der Fisch gegessen ist, bin ich doch ganz froh, er war sehr, sehr schmackhaft und außerdem sitze ich Alina’s Vater gegenüber, rotbraunes Sweatshirt, beinahe Blut. Ich bin der festen Überzeugung, es hinter mir zu haben, doch da kommt noch was. Nein, keine Suppe. Pommes. Viele, fettige Pommes. Mit Fisch! Noch ein Fehler: ich hätte ihnen nicht sagen sollen, dass ich Fisch liebe. Nein, ich hätte das wahrhaftig unterlassen sollen. Als ich dann aber zu essen anfange, bin ich richtig überrascht! Entweder war es der Herr P. und mein Fake-Alk hat den Schmerz verschwinden lassen. Oder aber es ist wie beim Fahrrad fahren: Wenn man lang genug weiterstrampelt, verschwindet der Schmerz in den Beinen wieder. Mann, muss das einen Muskelkater geben, wenn ich zurück in Deutschland bin!
22.6.06 11:16
 


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